Bewegen sich die Pendlerströme bald in luftiger Höhe über die Grenze? Auszuschließen ist dies jedenfalls nicht. Denn an der Großratssitzung vom 26. August hat das Parlament ein entsprechendes Postulat stillschweigend an den Regierungsrat überwiesen. Damit ist klar: Die Regierung muss nun vertieft prüfen, ob eine Hochseilbahn über den Rhein zwischen Bad Säckingen und Laufenburg im Rahmen der Erschließung des Sisslerfelds eine realistische Option ist.
Visionäre Verkehrslösungen untersuchen
Eingereicht wurde das Postulat von elf Fricktaler Großräten und -rätinnen. Sie fordern, dass angesichts der geplanten Entwicklung des Sisslerfelds – der größten Arbeitszonenreserve des Kantons, die dereinst bis zu 10.000 Arbeitsplätze aufnehmen könnte – auch visionäre Verkehrslösungen untersucht werden. Eine Seilbahn über den Rhein könne den Pendlerstrom aus Deutschland besser bewältigen, den Verkehr auf Straße und Schiene entlasten und gleichzeitig ökologisch sinnvoll sein.
Drei Faktoren treiben die Kosten in die Höhe
Der Regierungsrat hatte bereits am 7. Mai signalisiert, das Anliegen entgegenzunehmen. In seiner Stellungnahme verweist er darauf, dass bereits Vorabklärungen zu einer Hochseilbahn stattgefunden haben. Diese hätten gezeigt: Technisch ist eine Seilbahn machbar – doch sie wäre nur mit sehr hohen Investitionskosten realisierbar.
Drei Faktoren bringen hohe Kosten
Für die hohen Kosten sind drei Faktoren verantwortlich. Erstens: Aufgrund der Weitläufigkeit des Sisslerfelds bräuchte ein Seilbahnsystem mehrere Stationen, verschiedene Linienführungen und Verzweigungen. Zweitens: Damit Pendlerinnen und Pendler tatsächlich vom Auto oder Zug auf die Seilbahn umsteigen, müssten sehr kurze Intervalle gewährleistet und große punktuelle Nachfragespitzen bewältigt werden. Drittens: Auf deutscher Seite wäre eine umfangreiche Park+Rail-Anlage mit mehreren tausend Parkplätzen erforderlich.
Auf dieser Grundlage sieht der Regierungsrat Klärungsbedarf in mehreren Punkten, die im Rahmen des Gesamtverkehrskonzepts (GVK) Frick–Stein–Laufenburg untersucht werden sollen. Entscheidend sei, ob eine konsequente Bewirtschaftung und Einschränkung der Parkplätze im Sisslerfeld eingeführt werden könne, damit eine wesentliche Verlagerung vom motorisierten Individualverkehr hin zu einem System in Hochlage stattfindet. Hier müssten die Sisslerfeld-Gemeinden verbindliche Rahmenbedingungen schaffen.
Vergleich mit anderen Maßnahmen
Zudem müsse laut Regierung abgeklärt werden, ob die Mobilitätsziele mit einer Hochseilbahn überhaupt besser erreicht werden können als mit anderen Maßnahmen – etwa durch einen Ausbau des Busangebots oder mit einer zusätzlichen S-Bahn-Haltestelle im Sisslerfeld. Eine solche Abwägung müsse unter Umweltaspekten, Fragen der Finanzierung sowie nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis vorgenommen werden.
Das Geschäft liegt nun beim Regierungsrat
Mit der stillschweigenden Überweisung liegt das Geschäft nun beim Regierungsrat. Er ist verpflichtet, innert zwei Jahren einen Bericht vorzulegen, in dem er die Machbarkeit der Seilbahn prüft und die Ergebnisse mit alternativen Maßnahmen vergleicht. Erst danach wird der Große Rat entscheiden, ob die Vision einer Rhein-Seilbahn Realität werden könnte – oder ob sie als Idee wieder in der Schublade verschwindet.
Fest steht: Das Sisslerfeld entwickelt sich zum zentralen Zukunftsprojekt im Fricktal. Ob dereinst Gondeln über den Rhein schweben, ist noch offen. Sicher ist aber, dass die Region Antworten auf die Frage braucht, wie Zehntausende zusätzliche Pendlerinnen und Pendler ihre Arbeitsplätze erreichen sollen – und zwar bevor die Straßen und Schienen im Fricktal kollabieren.
Der Autor ist Redakteur bei der „Aargauer Zeitung“. Dort ist der Beitrag auch zuerst erschienen.