Dem Bodenseewasser wird Wärme entnommen und diese dann fürs klimaneutrale Heizen von Häusern verwendet. Hört sich einfach und schlüssig an, doch die Wärmewende ist ein steiniger Weg, wie sich gerade in Konstanz-Dingelsdorf zeigt. Denn zunächst einmal wird Strom benötigt.

Viel Strom sogar, dann mächtige Wärmepumpen müssen aus nur ganz leicht warmen Bodenseewasser heißes Wasser für die Leitungen in die Häuser machen. Und der Strom will erzeugt sein – und zwar auch klimaneutral, sonst geht die ganze Sache ökologisch nicht auf.

So kommt es, dass ein einfach erscheinendes Vorhaben Politik und Verwaltung stark beschäftigt. Denn einen Solarpark für die Gewinnung von Sonnenstrom darf in Deutschland niemand einfach so in die Landschaft stellen – da braucht es schon einen Bebauungsplan, und für den ist wiederum ein Umweltbericht vorgeschrieben. Und das ist nur ein kleiner Teil der Bürokratie.

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Umso bedeutsamer ist, dass die geplante Freiflächen-Photovoltaikanlage bei Dingelsdorf jetzt eine weitere Hürde genommen hat: Die Planung kann nach einem einstimmigen Ja im Technischen und Umweltausschuss zu diversen Verfahrensschritten jetzt mit voller Kraft weitergehen.

Der Strom wird gleich vor Ort wieder verbraucht

Damit ist der Weg weiter geebnet zum ersten großen Sonnenkraftwerk auf dem Gebiet der Stadt Konstanz. 2,9 Hektar soll die Anlage groß sein, das entspricht etwa vier Fußballfeldern. Dort sollen die in elf Reihen angeordneten Solarzellen eine Spitzenleistung von 3,1 Megawatt liefern, nach einer Faustformel könnte der Stromertrag bei rund drei Millionen Kilowattstunden pro Jahr liegen – das ist in etwa der Jahresverbrauch von 1000 Durchschnittshaushalten. Der Strom wird in der nur 400 Meter entfernten Betriebszentrale fürs Nahwärmenetz verbraucht.

Bild 1: Wichtige Etappe bei der Energiewende: Erstes großes Solarkraftwerk in Konstanz nimmt nächste Hürde
Bild: Steller, Jessica

Unter den Solarmodulen könnten Schafe weiden

Gebaut werden soll direkt an der Straße, in Fahrtrichtung von Dingelsdorf in Richtung Wallhausen auf der linken (also südlichen) Seite. Unter den Solarmodulen soll eine Wiese wachsen, was einerseits für eine geschlossene Vegetationsdecke sorgt, andererseits laut Umweltbericht auch als Schafweide genutzt werden könnte. Maximal 3,50 Meter dürfen die Module in die Höhe ragen. Und festgeschrieben ist auch, dass die Solarzellen reflexarm sein müssen, damit niemand geblendet wird.

Wenn der geplante Solarpark nun auch noch alle weiteren planungsrechtlichen Hürden nimmt – und davon ist auszugehen –, könnten die Baufahrzeuge 2026 anrollen. Bene Müller, als Chef des Bürgerunternehmens Solarcomplex der Bauherr des Sonnenkraftwerks, sagte dem SÜDKURIER jüngst, dass der Bau selbst dann recht schnell gehen kann.

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Ende 2027, so seine Hoffnung, könnten die letzten der 400 Haushalte ans Nahwärmenetz angeschlossen sein, durch das sie dann nicht nur heißes Wasser zum Heizen und Duschen bekommen, sondern indirekt auch Solarstrom aus regionaler Erzeugung. Dass der Weg bis dahin kompliziert war, wird dann wohl schon fast vergessen sein.