Bonndorf „Es ist beeindruckend, wie kraftvoll sich die Natur in der Wutachschlucht zeigt“, sagt Wutachranger Djilon Joseph Sambou im Gespräch. Da fühle man sich als Mensch irgendwie klein. Die Schlucht sei geologisch noch immer sehr aktiv, floristisch und faunistisch eine Besonderheit, die es zu schützen gelte. „In diesem Sommer ist wieder richtig viel los. Es sind viele Wanderer unterwegs“, so der Wutachranger. Durchschnittlich werden jährlich 80.000 Besucher in der Wutachschlucht und den angrenzenden Schluchtenbereichen gezählt. „Das sind natürlich viele Menschen, die auch Auswirkungen auf die Natur haben.“

Um die Uferbereiche zu schützen, „sind die meisten Wege entfernt der Wutach angelegt“. Das hält den Einfluss auf beispielsweise Brutvögel im Rahmen. An den Haupteingängen zur Schlucht weisen fünf Banner darauf hin, wie sensibel die Tierwelt auf unangemessenes Verhalten im Naturschutzgebiet reagiert. Er selbst unterhalte sich viel mit Wanderern, die er bei seiner Visite in der Schlucht antrifft, sagt Djilon Joseph Sambou. Unterstützt wird er von den Scouts, die durch Mitarbeiter im Haus der Natur auf dem Feldberg geschult werden. „Drei bis vier der Scouts sind regelmäßig in der Schlucht und beantworten Fragen der Wanderer.“

850 Kilometer haben die Schwestern Joy, Shakira und Jamie aus der Nähe von Cuxhaven zurückgelegt, um einige Tage im Hochschwarzwald zu verbringen. Titisee und Ravennaschlucht haben sie bereits kennengelernt. „Uns haben die schönen Fotos der Wutschschlucht gefallen, als wir nach weiteren Wandermöglichkeiten im Internet gesucht haben“, sagt Joy Riggers. „Da wir gerne wandern, haben wir uns für eine Tour in der Schlucht entschieden.“

Gudrun und Joachim Kleiner aus St. Georgen haben es nicht so weit wie die die Schwestern aus Norddeutschland. „Wir kennen die Schlucht, waren schon einige Male wandern“, sagt Joachim Kleiner. „Und weil wir dieses tolle Naturerlebnis an unsere beiden sechs- und neunjährigen Enkel weitergeben wollen, die ebenfalls gerne wandern, kundschaften wir gerade eine Tour aus“, merkt Gudrun Kleiner an. Das Schluchtenerlebnis sei weit mehr, als in einem klassischen Erlebnispark unterwegs zu sein, sind sich die beiden einig.

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war die Wutachschlucht für die Öffentlichkeit übrigens weitgehend unerschlossen – ein Forstweg zog sich von Bad Boll ein Stück Weg flussabwärts. Von Münchingen und Ewattingen aus erreichte man die Wiesen an der Wutach. Das war‘s. Der London Fishing Club Limited, der ein Domizil in Bad Boll unterhielt, hatte zwar Ende des 19. Jahrhunderts einen Bonndorfer Zimmermeister mit der Erschließung eines Schluchtbereichs beauftragt, die 1895 insgesamt 20 an Ketten aufgehängten Stege wurden allerdings im selben und im Folgejahr vom Hochwasser weggespült.

1903/04 legte der Schwarzwaldverein Bonndorf einen Felsenpfad durch die Schlucht an, vier Stege wurden errichtet. Den Wunsch, die Schlucht begehbarer zu machen, gab es allerdings bereits mehr als ein Jahrzehnt früher. Ende 1891 hatte der Schwarzwaldverein die Absicht geäußert, das unzugängliche, wildromantische Tal zu erschließen. Doch erst der Bau der Eisenbahnlinie von Neustadt nach Bonndorf gab den entscheidenden Impuls, um die Idee umzusetzen. Bahnbauingenieur Karl Rümmele war es schließlich, der die Schlucht mit Gehilfen mehrfach durchwanderte, eine Projektstudie für die Anlage eines Fußpfads entwarf und diese 1902 dem Schwarzwaldverein übergab. Elf eiserne Brücken – Kostenvoranschlag 16.400 Mark – plante er ein. Es sollten letztlich vier Brücken werden, wegen der hohen Baukosten. Die Bauwerke wurden allerdings immer wieder von der unberechenbaren Kraft der Wutach beschädigt.