Grafenhausen Die Windmühle, wohl eine der ältesten Maschinen der Menschheitsgeschichte, ist der Vorreiter der heutigen Stromgewinnung mit erneuerbaren Energien. Bauherr Orlando Parodi möchte jedoch nicht in Konkurrenz zu EnBW treten, er will mit seinem Mühlenprojekt Strom lediglich zum Eigenverbrauch produzieren.
Gegen seine Art der Stromerzeugung gab es bisher keine Proteste, im Gegensatz zu den geplanten Hochleistungs-Windenergieanlagen wie beispielsweise in Grafenhausens Ortsteil Staufen. Parodis klassische Windmühle erinnert im Ansehen an eine Holländer-Mühle. Bei der Technik haben sich die Konstrukteure ein wenig an der sogenannten Paltrockwindmühle orientiert, die in früheren Zeiten in der Pfalz Konjunktur hatte. Der Name soll von einem Pfälzer Trachtenrock abgekupfert sein.
Wie Orlando Parodi auf Nachfrage weiter berichtete, habe man sich mit Drehkranz und umlaufendem Balkon – der Holländer-Galerie – an einem der schönsten Mühlentypen orientiert. Im Schwarzwald gab es früher allerdings gar keine Windmühlen. „Wasserkraft stand gegenüber Wind immer in starker und gleichmäßiger Leistung zur Verfügung“, weiß Parodi. Gebaut wurden aber, wie der Windmühlenbauer auf einem alten Stich aus dem Mittelalter gesehen hat, auf dem Hohentwiel bei Singen zwei Windmühlen. Von Windmühlen geht bis in die heutige Zeit eine gewisse Faszination aus – auch in Grafenhausen. Wie das Beispiel im Gewerbegebiet zeigt, werden die alten Schmuckstücke in ganz Deutschland nicht nur saniert, sondern auch neu gebaut.
Getreide soll in der Grafenhausener Variante aber nicht gemahlen, sondern nur Strom für den Eigenbedarf erzeugt werden. In seiner „Living Mill“, also der lebenden Mühle, soll in der Tat richtiges Leben einziehen. In dem Gebäude sollen ein Büro sowie eine Wohnung für den Betriebsinhaber integriert werden. Der Rohbau ist quasi fertiggestellt. Nach den Worten von Parodi, der ein Transportunternehmen betreibt, könnte im Herbst das Dach aufgesetzt werden. Schon heute freut er sich auf das traditionelle Richtfest.
Allerdings lief das Projekt nicht immer ganz rund. Die Baugenehmigung war bereits im Sommer 2021 erfolgt. „Gemäß diesen Vorgaben konnten wir das Projekt insbesondere wegen dem Brandschutz nicht umsetzen“, erläuterte Parodi. Somit musste das Genehmigungsverfahren komplett neu durchlaufen werden. Neben baurechtlichen Problemen hatte der Bauherr aber auch mit der Umsetzung der Technik zu kämpfen.
So sei der Einbau der Fenster an schrägen Fassaden kein „triviales Ansinnen“ gewesen. Der Fensterbauer habe hierfür eigens ein Modell konstruiert und so ermittelt, wie weit die Schindeln der Fassade über die Fenster ragen und als kleine Gauben ausgearbeitet werden müssen. Auch für den Installateur oder den Gerüstbauer war es ein nicht einfaches Unterfangen. „Für jedes Gewerk mussten die Handwerker Außergewöhnliches leisten, weil eigentlich nichts der normalen Norm beim Bau entspricht“, hob Parodi besonders hervor. Insbesondere die vier Flügel, die erst im nächsten Jahr geliefert werden können, bereiteten Parodi schlaflose Nächte. Er benötigte mehrere Anläufe, um den richtigen Mühlenbauer zu finden. Mit dem ersten Restaurator war er sich schnell einig. Dieser musste jedoch wegen Mitarbeitermangel absagen. Darauf folgten zahlreiche Gespräche bei den holländischen Fachleuten. Parodi: „Da hätte sich was ergeben können, hätte aber das Budget gesprengt“.
Die Suche ging weiter. Wirklich fündig wurde Orlando Parodi mit dem Mühlenbauer Martin Wernicke aus Kyhna in Thüringen, der auf einen interessanten Lebenslauf zurückblicken kann. Quasi als Kind hatte er die Mühle im Heimatort für sich entdeckt, die er laut Vita 1990 geschenkt bekam. Als junger Mühlenbesitzer begann er 1992 eine Ausbildung als Zimmerer. Seit 2008 ist er als selbständiger Handwerksmeister im Mühlenbau tätig. Für Parodi sei es ein Glücksfall gewesen, auf diesen engagierten Mühlenbauer zu stoßen.